Viele Frauen erzählen mir, dass sie keine Lust mehr auf Sex haben. Es sind meist Frauen, die schon viele Jahre verheiratet sind – Frauen, bei denen Sex langsam von etwas Lebendigem zu einer Last geworden ist. Und ganz wichtig: Es liegt oft nicht an Traumata, nicht an großen Ehekonflikten und nicht daran, dass der Mann seine Frau schlecht behandelt.
Die Lust ist einfach weg – aus scheinbar unerklärlichen Gründen.

Und genau diesen Frauen möchte ich heute neuen Mut zusprechen. :-)
Was du fühlst, ist nicht unnormal. Es geht sehr vielen anderen Frauen genauso. Und nein: Du brauchst Dich selbst nicht zu beschuldigen!

Forschungsergebnisse zeigen, dass ein hoher Prozentsatz von Frauen in Langzeitbeziehungen die spontane Lust am Sex verlieren. Ein Artikel in der Zeitschrift Psychologie heute (06/2005) fasst es sehr nüchtern zusammen:

„Gelegentliche sexuelle Lustlosigkeit innerhalb einer Beziehung kommt mit zunehmender Beziehungsdauer häufiger vor. Frauen sind häufiger lustlos als Männer. Nach einem Jahr Beziehung betrifft es 33 % der Männer und 60 % der Frauen, nach sechs Jahren Beziehung 40 % der Männer und 80 % der Frauen.“

Im Zeitalter von Google findest du noch viele weitere Studien zu diesem Thema. Sie sind sich nicht immer über die genaue Prozentzahl einig – aber über eines schon: Du bist keine Ausnahme.

Vielleicht ist es Zeit für eine kleine Begräbnisfeier

Daher ein ungewöhnlicher Vorschlag:
Lade deine Freundinnen ein – und halte eine Begräbnisfeier. Eine Begräbnisfeier für deine spontane sexuelle Lust. Das sie nicht mehr da ist, das ist schmerzhaft. Und ja, es fühlt sich unfair an – besonders, weil es so scheint, als würde der Mann diese Fähigkeit für immer und ewig einfach behalten. Aber viele Frauen wissen nicht, dass das, was sie erleben, eine normale Veränderung ist. Und weil sie das nicht wissen, beginnen die quälenden Fragen: “Stimmt etwas mit meinem Mann nicht oder warum fühle ich plötzlich nicht mehr dieses Verlangen nach ihm?” “Stimmt etwas in unserer Beziehung nicht?” “Oder stimmt vielleicht mit mir etwas nicht???”

Die ersten zaghaften Versuche, eine Lösung zu finden, scheitern oft daran, dass man das „Problem“ nicht richtig benennen kann. Vielleicht redest du mit deinem Mann darüber – aber auch er ist ratlos. Er hatte gedacht, dass es mit der Lust einfach immer so weitergeht. Also fühlt es sich an, als ob miteinander Reden auch nichts bringt.

Die automatische Reaktion darauf ist häufig: Verdrängen.

Dazu kommen dann noch Arbeit, Kinder, Verpflichtungen, Müdigkeit. Und ganz langsam entsteht ein ausgeklügeltes System, das sicherstellt, dass Sex nur noch selten passiert. Diese innere Abwehr gegen Sex führt fast immer auch zu weniger Zärtlichkeit. Die Beziehung wird rauer, kälter. Nach außen pflegt man das Bild der „ganz normalen, funktionierenden Familie“. Und man redet sich ein, dass es schon irgendwie gut wird.

In Wahrheit aber stirbt die Liebe, ein kleines bißchen, Tag für Tag.

Ein besserer Weg

Wenn du dein spontanes Verlangen begraben und betrauert hast, kannst du einen neuen Weg einschlagen: entdecke die reagierende, sexuelle Lust.

Stell dir dein sexuelles Verlangen am Anfang der Beziehung wie einen wild wachsenden Garten vor. Alles wächst durcheinander. Man wird überrascht von Blüten, Düften, Früchten. Diese Phase ist enorm wichtig. Sie verbindet zwei Menschen trotz aller Unterschiede. Aber irgendwann endet diese Phase.

Mein Verlangen, die Lust kommt nicht mehr spontan, was nun?

Und dann ist es Zeit, den Garten zu kultivieren, umzugraben. Es muss geplant und gepflegt werden. Denn auf lange Sicht bringt Konsistenz mehr Frucht als spontane Explosionen. Wenn dein Verlangen nicht mehr spontan kommt, dann ist es eine persönliche Entscheidung, die sexuelle Lust zu pflegen. Reagierende, sexuelle Lust entsteht, wenn eine Person sich auf Sex einlässt, bevor sie ein Verlangen dannach hatte. Und bevor Du jetzt aufhörst zu lesen, weil Du denkst, das sei keine Option für dich, lies doch bitte noch was Michelle Weiner-Dennis dazu zu sagen hat:

Warum du dich kümmern solltest – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe

Die Paartherapeutin Michele Weiner-Davis spricht von sex-starved marriage – einer ausgehungerten Ehe. Das ist eine Beziehung, in der sich ein Partner zutiefst nach Nähe, Berührung und Sexualität sehnt, während der andere denkt:

„Was ist so besonders an Sex?”

Für den Partner mit dem größeren Bedürfnis geht es aber nicht nur um Sex.
Es geht um viel, viel mehr. Es geht darum, sich geliebt zu fühlen, sich mit dir – der einzigen Frau (oder Mann) auf dieser Welt – verbunden zu fühlen und sich als Mann (oder Frau) begehrenswert zu erleben.

Wenn diese Verbindung fehlt, verschwindet die Verbundenheit auf allen Ebenen. Man sitzt nicht mehr nebeneinander auf dem Sofa, man lacht weniger miteinander und die Zeit, die man miteinander verbringt, dreht sich um die Kinder, Arbeit und banale Sachen. Die Freundschaft geht verloren. Und die Ehe gerät in Gefahr.

Und jetzt der vielleicht wichtigste Punkt für dich

Weiner-Davis beschreibt etwas, das viele Frauen kennen – aber kaum jemand erklärt hat. Sehr viele Frauen erleben Lust nicht spontan, sondern reagierend: die Lust kommt nicht vor dem Sex, sondern währenddessen. Der Körper muss zuerst berührt, erregt, eingebunden sein –
dann meldet das Gehirn: „Ah. Das tut mir gut. Ich will das.“ Dazu gehört aber auch, daß man im Herzen die Bereitwilligkeit hat, das Liebesspiel zuzulassen.

Nach dem Sex sagen diese Frauen: „Ich war nicht in der Stimmung – aber es war schön. Da kam Lust auf bei mir, während wir uns Streicheleinheiten austeilten und ich mich bewußt für meinen Partner öffnete. Ich hatte einen Orgasmus. Und danach fühlte ich mich meinem Mann wieder nah.“

Wenn du also nur auf spontane Lust wartest, wartest du auf etwas, das biologisch nicht mehr so funktioniert wie am Anfang der Beziehung.

Wir als Frauen, die Jesus kennen, haben dazu noch den großen Vorteil, daß wir IHN bitten dürfen, unsere Herzenseinstellung zu ändern, damit wir Sexualität nicht als eine Last empfinden, sondern wir aktiv mitwirken können und dabei selbst gesegnet werden. Gott hat die Sexualität geschaffen und ER kann übernatürlich Hilfe schenken, wo wir selbst die Hoffnung verloren haben. Gib nicht auf!

Wenn du jetzt gerne noch weiter etwas zu dem Thema lesen möchtest, habe ich Dir hier unten noch zwei Vorschläge eingefügt. Diese Artikel geben Dir Ideen, wie Du jetzt mit den neuen Erkenntnissen anders an die Sache rangehen kannst. ;-)

https://heiligundheiss.net/blog/9-wege-die-intimitaet-mit-meinem-mann-zu-verbessern/

https://heiligundheiss.net/blog/die-lust-entfachen/