Zeugnis
Mein Weg in die Freiheit – Mein persönliches Zeugnis
Wenn ich heute zurückblicke, kann ich mit Dankbarkeit sagen: Ich durfte eine geborgene Kindheit erleben – mit Eltern, die sich liebten und einander treu waren.
Doch wie in vielen Familien meiner Generation war Sexualität ein Tabuthema. Wenn überhaupt darüber gesprochen wurde, dann in einem beschämenden oder abwertenden Ton. Doch auch Schweigen kann laut sein – und prägt. So wurde meine Sicht auf Sexualität früh von Unsicherheit, Scham und innerem Rückzug bestimmt. Eine Sichtweise, die wenig mit dem zu tun hatte, was Gott sich ursprünglich dabei gedacht hat.
Viele Eltern gehen – oft unbewusst – davon aus, dass ihre Kinder in der Ehe „von selbst“ den gesunden Umgang mit Sexualität lernen werden. Dabei übersehen sie, dass die tiefen Prägungen bereits in der Kindheit entstehen – und später in die Ehe mitgenommen werden.
Ich hatte den Wunsch, gut vorbereitet in die Ehe zu starten. Ich las viele Bücher, betete und bemühte mich, offen zu sein – auch im Hinblick auf den sexuellen Bereich.
Doch nach unserer Hochzeit wurden wir schnell mit der Realität konfrontiert. Für mich fühlte sich Sexualität mehr nach Pflicht an als nach Liebe. Ich verstand nicht, dass mein Mann sich nach Intimität sehnte, um mir Liebe zu schenken und selbst Liebe zu empfangen. Körperlich reagierte ich mit Schmerzen beim Geschlechtsverkehr – ein Symptom, das medizinisch als Vaginismus bekannt ist. Wir beide wurden zunehmend entmutigt. Warum schien es bei uns einfach nicht zu funktionieren?
Ich begann eine Psychotherapie, die uns half, besser miteinander zu kommunizieren. Doch Heilung brachte sie nicht. Über anderthalb Jahre lebten wir ohne körperliche Nähe. Als wir merkten, dass auch die Therapie an ihre Grenzen stieß – vor allem, weil das darin vermittelte Weltbild nicht mit unserem Glauben vereinbar war – begannen wir, gezielt für Heilung zu beten.
Während einer Reise in meine Heimat betete mein Pastor für mich. Es war ein kostbarer Moment. Und tatsächlich: Für eine Zeit erlebten wir eine neue Freiheit – in dieser Phase wurde unser erstes Kind gezeugt, das wir ganz bewusst mit einem Namen bedachten, der „Geschenk Gottes“ bedeutet.
Doch die alten Gedankenmuster waren tief verwurzelt. Trotz dieses hoffnungsvollen Erlebnisses fiel ich bald wieder in alte Verhaltensweisen zurück. Wir suchten weiterhin Hilfe, führten viele Gespräche, lasen Bücher, beteten gemeinsam und ließen für uns beten. Es ließ mir keine Ruhe: Warum war die schöne Vorstellung von einer erfüllten, heiligen Sexualität nicht unsere Realität?
17 Jahre lang suchten wir nach Antworten.
Was schließlich Veränderung brachte, war kein „Wunder über Nacht“, sondern ein Prozess – ein inneres Umdenken. Ich durfte Stück für Stück erkennen, wie sehr meine Sicht auf meinen Körper und auf Sexualität von falschen Glaubenssätzen geprägt war. Ich lernte, offen mit meinem Mann zu sprechen, mein Herz vor Gott auszubreiten und mich immer wieder auf Jesus auszurichten.
Und letztlich war es genau das: Jesus selbst – der mich befreit hat von religiösen Zwängen, von Scham, von inneren Blockaden. Er hat mein Denken erneuert – nicht durch Druck, sondern durch Wahrheit, Liebe und Gnade.