Schon bald nachdem wir geheiratet hatten, wurde Sex für mich nur noch eine Pflicht. Und ich bekam Schmerzen beim Sex. Ich dachte damals, ich müsste es einfach aushalten, bis es vorbei war. Aber es wurde immer qualvoller für mich und durch die Verhütungspille war bei mir außerdem jegliches Lipido (ein natürliches Verlangen nach Sex) weggegangen.

Ich wusste, bei mir stimmte was nicht, aber ich wusste nicht, was ich dagegen unternehmen konnte. Schließlich ging ich zu einer Frauenärztin, die mich untersuchte und mir sagte, daß bei mir alles in Ordnung war und daß ich wohl ein psychisches Problem hätte. Sie schickte mich dann zu einer Psychotherapeutin.

Das war zum Teil hilfreich, weil ich anfing, meine Gefühle offen auszusprechen und jemanden hatte, der mir zuhörte und mich reflektieren ließ, warum ich so fühlte. Meine Therapeutin erkannte schnell, daß ich ein großes Problem mit meiner Sexualität hatte und half mir, eine Stimme zu finden in diesem Bereich unserer Ehe. Ich hatte bis dahin gar nicht verstanden, wie ich ausdrücken konnte, was ich beim Sex fühlte. Es fühlte sich jedes Mal mehr wie eine Vergewaltigung an, weil ich es einfach nicht genießen konnte.

Außerdem verbot die Therapeutin uns, miteinander Geschlechtsverkehr zu haben, damit wir uns erst einmal gegenseitig “erforschten” und lernten, miteinander zärtlich zu sein, ohne diesen Druck, daß es beim “richtigen Sex” hauptsächlich um Penetration geht.

So haben mein Ehemann und ich nach jeder Therapiestunde wieder viel Stoff zum Reden gehabt. Dieses war keine leichte Zeit für unsere Ehe. Mein Mann musste meinetwegen auf Sex verzichten für eine ziemlich lange Zeit. Das würden wir heutzutage keinem Paar raten, auf diese Weise dieses Problem zu bewältigen. Ich bin mir sicher, es gibt auch andere Wege, wie man bei Schmerzen Lösungen finden könnte. Wir haben zwar gekuschelt, aber ich kann das heute fast nicht begreifen, wie ich meinem Mann so lange Zeit “auf die Folter gespannt” habe und ihm sozusagen damit auch meiner Liebe entzogen habe. Denn obzwar wir trotzdem zärtlich zueinander waren, war unser Liebesleben sehr schwach und ich bin bis heute so dankbar, daß mein Mann mir trotz allem damals treu geblieben ist.

Soweit zu meinen persönlichen Erfahrungen. Aber es gibt noch andere Ursachen, warum Frau Schmerzen haben kann.

Gründe, warum es weh tun kann

  1. Wenn dein Körper einfach zu angespannt ist und wenn Angst, Unsicherheit oder Scham mit im Spiel sind. Frauen wie ich, die aus einem religiösen Hintergrund kommen, haben gelernt, dass Sexualität etwas ist, worüber man lieber nicht redet – und dann steht man plötzlich in der Ehe da und soll „einfach funktionieren“. Das geht natürlich nicht so leicht. Es kann sogar passieren, dass sich die Muskeln in der Scheide unwillkürlich zusammenziehen, sobald der Mann versucht, einzudringen. Das passiert, weil dein Körper gelernt hat, Sex mit Angst zu verbinden.
  2. Auch Trockenheit kann wehtun. Gründe dafür können sein:
    Wenn du noch nicht erregt bist (ihr lasst euch nicht die nötige Zeit, die es braucht, bis du auch in Stimmung kommst) oder wenn du gestresst bist und nicht abschalten kannst (im Kopf drehen die Gedanken des Tages immer noch weiter oder du bist total aufgewühlt und brauchst erst einmal 1 Stunde Zeit zum Reden).
  3. Bei Infektionen oder Reizungen kann es auch weh tun – zum Beispiel Pilzinfektionen, Harnwegsinfektionen oder allergische Reaktionen auf Seifen oder Kondome.
  4. Hormonelle Veränderungen – nach der Geburt oder in bestimmten Lebensphasen können Hormone das Gewebe empfindlicher machen (in den Wechseljahren spielt der Hormonspiegel bei manchen verrückt).
  5. Wenn du negative Erfahrungen gemacht hast, z.B. in der Kindheit missbraucht oder sogar vergewaltigt worden bist.

Was du tun kannst

Erstens: Lass dich untersuchen, um sicher zu gehen, daß es nicht ein körperliches Problem ist. Geh zu einer Frauenärztin, die einfühlsam ist. Und geniere dich nicht, ihr deine Situation zu erklären. Glaube mir, du wirst nicht die erste sein, die mit solchen Problemen zu ihr kommt.

Zweitens: Rede mit deinem Mann. Sag ihm, dass du Zeit brauchst, um warm zu werden und es in deiner Vagina feucht wird. Das Vorspiel ist dabei sehr wichtig. Liebe zeigt sich auch in Geduld und dein Mann muss ja auch erst einmal verstehen, wie du funktionierst und dann kann es immer noch etwas dauern, bis man kapiert, wie der andere “tickt” in der Sexualität.

Drittens: Benutzt Gleitmittel. Das klingt vielleicht zu einfach, aber ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es hilft. Wenn es trocken ist, reibt es – und Reibung tut weh. Wenn man nicht zur Apotheke gehen will, um sich da Gleitmittel zu kaufen, kann man auch Olivenöl oder irgendein besonderes Öl brauchen, das man immer griffbereit im Schlafzimmer hat. (Ein kleines Fläschen reicht schon.)

Viertens: Falls es traumatische Erlebnisse zu verarbeiten gibt, rate ich Dir auf jeden Fall mit jemandem zu reden, der seelsorgerlich oder therapeutisch geschult ist. Wenn Angst, Schuld oder Scham eine Rolle spielen, dann darf das ans Licht kommen – ohne Verurteilung. Und wenn etwas ans Licht kommt, dann verliert die Dunkelheit die Macht über das, was bisher geheim gehalten wurde.

Mit Gott auf unserer Seite haben wir Hoffnung

Gott hat einen wunderbaren Plan für Euch als Ehepaar. Es ist kein Zufall, daß ihr beide zusammen seid. Gott ist immer bereit, aus deiner Situation das Beste zu machen. Und er möchte euch helfen, auch in diesem Bereich eurer Ehe heil zu werden. Es gibt Hoffnung. Es muss nicht immer so bleiben.

Geht den Weg zusammen. Gute Kommunikation ist dabei nötig. Schweig nicht länger. Sprich aus, was du fühlst. Und wenn dein Partner damit nichts anfangen kann, dann sucht Hilfe. Lasst den Stolz nicht siegen. Ich wünsche euch viel Mut. Und schaut auf Jesus, nicht auf das unlösliche Problem. Jesus ist für dieses Problem am Kreuz gestorben. Jesus hat das Böse für Dich schon besiegt, er hat Heilung für Dich erwirkt.