Auf Anfrage einer Leserin möchte ich heute von meinen Erfahrungen als Mutter mit Kleinkindern schreiben, obwohl das nun schon 20 Jahre her ist. Unsere Kinder sind heute 23 und 25 Jahre alt, und die stressvollen Tage (und manchmal Nächte) mit trotzigen Kleinkindern und Rotznasen sind schon (fast) vergessen.
Man behält ja viel lieber die guten Erinnerungen – die Momente, die einem trotz all des Stresses Freude bereitet haben. Und davon überwiegt das Gute bei Weitem.
Rückblick in die Kleinkindzeit
Ich erinnere mich noch an die Zeit, wo unsere Kinder 2 und 4 Jahre alt waren. Ich erinnere mich an lange Spaziergänge mit den Kindern, manchmal sogar im Regen, weil wir es drinnen in einer Hochhaus Wohnung nicht mehr ausgehalten haben. Unser Sohn hatte so viel Energie und musste die irgendwie loswerden.
Muttersein fühlt sich an wie immer nur geben, geben, geben. Der Haushalt muss erledigt werden, aber die Kinder brauchen auch unsere Aufmerksamkeit. Bis es Abend wird, fühlt sich Mama dann völlig ausgepowert.
Wenn die Kinder nach einem langen Tag im Bett sind, steht auch noch die „Verpflichtung dem Ehemann gegenüber“ im Raum. Der Kopf ist noch voll von all dem, was während des Tages gelaufen ist und es ist so viel Arbeit liegen geblieben und man fühlt sich ausgelaugt. Die Kleinkindphase ist eine echte Herausforderung – wenig Schlaf, viel Verantwortung, kaum Zeit für sich. Dass sich das auf die Sexualität auswirkt, ist völlig normal.
Unterschiedliche Belastung von Mann und Frau
Hinzu kommt das Gefühl, mit allem allein dazustehen. Der Mann ist in der Regel jung und versucht etwas aufzubauen. Sei es seine Karriere, seine Wirtschaft (Bauernhof) oder einen Betrieb. Er fühlt die Verantwortung, für die Familie zu sorgen. Manchmal hat er Angst zu versagen und daß seine Frau und Kinder darunter leiden könnten. Außerdem spürt er den Druck, sich in der Gesellschaft beweisen zu müssen – und glaubt, dass ihm nur beruflicher Erfolg Anerkennung in seinem Umfeld verschafft. Durch diese Einstellung werden viele Männer extrem fokussiert auf ihre Arbeit, und die Familie erlebt ihn dann als abwesend.
Und du als Ehefrau bekommst den Eindruck, mit der Verantwortung für die Familie eine ungerecht verteilte Last zu tragen. Das gehört auch zu dieser Phase eurer Ehe (zumindest im Normalfall), stimmt's?
Ein paar praktische Tipps:
Hier sind ein paar Tipps, die wir rückblickend geben können (einige davon haben wir selbst angewandt, andere hätten wir uns gewünscht – dass sie uns damals jemand gegeben hätte).
Tipp Nr. 1 – Erwartungen anpassen
Wenn wir glauben, unsere Intimität in der Ehe mit Kindern müsste so aussehen wie früher, dann machen wir uns selbst einen unrealistischen Standard. Beide Ehepartner sollten sich bewußt sein, daß die Phase mit Kleinkindern eine herausfordernde Zeit ist. Es sollte nicht in eine Ehekrise ausarten. Dazu ist eure Beziehung doch viel zu wertvoll.
Nehmt Euch Zeit, dem Partner zuzuhören und mit ihm mitzufühlen. Übt Geduld, wenn der andere Schwierigkeiten hat in Worte zu fassen, was er erlebt. Besonders Männern fehlt oft das Vokabular, um ihre Gefühle auszudrücken. Vieles muss erst aus dem Unterbewussten ans Licht kommen, bevor wir es besprechen können. Lernt, Enttäuschungen ohne Vorwürfe zu kommunizieren. Die verständnisvolle Kommunikation und das gegenseitige Mitgefühl öffnen das Türchen der Intimität.
Tipp Nr. 2 – Intimität einplanen
Das hört sich nicht sehr romantisch an, aber für diese Phase des Ehelebens sehr notwendig. Wenn die Kinder klein sind, weiß man nie, wie sich der Tag entwickeln wird. So viel kann an einem Tag passieren. Da ist es wichtig, eure intime Zeit fest in eure Woche einzuplanen.
An Abenden, an denen keine kirchlichen oder familiären Termine anstehen und die Kinder zur gewohnten Zeit ins Bett gehen, bleibt danach noch Zeit für Intimität. Wenn du diese Abende in deinen Kalender einträgst und dich schon morgens darauf einstellen kannst, fällt es dir abends oft leichter, die Intimität mit dem Partner zu genießen.
Tipp Nr. 3 – Regelmäßige Bettzeiten
Nicht jeder wird bei diesem Tipp mit mir einer Meinung sein :-), aber ich gebe hier unsere Erfahrung weiter, und jeder entscheidet selbst, was er daraus macht.
Schon als unsere Kinder noch Babys waren, haben wir angefangen, sie jeden Abend zur gleichen Zeit ins Bett zu bringen. Wir haben daraus ein richtiges Ritual gemacht. Ich erinnere mich an die tiefen Gespräche, die während der Zeit des Kinderbibellesens oder beim Vorlesen von Geschichten entstanden. So viele interessante Fragen, die Kinder am Ende des Tages stellen können. Aber oft versuchten sie, die Zeit in die Länge zu ziehen – mit Erzählen, noch dieser Frage und jenem Kommentar. Da fällt es schwer, dieser Zeit ein Ende zu machen. (Aber man kann ja früher mit dem Abendschluss beginnen, damit ausgiebig Zeit für Gespräche mit den Kids bleibt.) Mit einem gemeinsamen Gebet wurde das Gespräch dann beendet und dann wurde das Licht ausgeschaltet.
Danach blieben uns meistens noch 2 Stunden, die wir beide in vollen Zügen genossen. Diese Zeit nutzten wir, um gemeinsam Mate zu trinken (wir lebten zu der Zeit in einer sehr kalten Gegend), intim zu werden oder es war einfach “me time” (Zeit, wo wir zwar zusammen sind, aber ein jeder sich mit etwas seines Interessens beschäftigt).
Tipp Nr. 4 – Spontanität ist gefragt
Wenn mit Kleinkindern (und Kindern) alles nach Plan laufen würde, wäre das Problem mit der Intimität in der Ehe in dieser Phase wohl nur halb so schwierig.
Was tun, wenn mein Mann sich so nach Intimität sehnt und ich aber überhaupt nicht in Stimmung kommen kann? Liebe Leserin, ich will dir Mut machen, deinen Mann mit seinen Bedürfnissen nach Nähe ernst zu nehmen, auch wenn nicht alles nach Plan läuft. Dein Mann braucht Sex, um sich mit dir verbunden zu fühlen. Wenn du ihm immer wieder NEIN signalisierst, fühlt er sich abgelehnt. Wenn du Tage hast, wo du zu gestresst bist, und du weisst, dass es schon lange überfällig ist, und du kannst dich ihm einfach nicht öffnen, dann nehmt euch Zeit zum Kuscheln, und gib ihm einen “Handjob”. Es werden sich wieder Tage finden, wo du dich ihm ganz hingeben kannst (siehe Tipp Nr. 2).
Tipp Nr. 5 – Intimität neu definieren
Nicht nur für die Phase mit Kleinkindern, sondern für jede Phase in unserer Ehe gilt dieser Tipp: Intimität ist nicht nur Geschlechtsverkehr. Zärtlichkeiten, Umarmungen und Küsse, Zeit haben, um sich zu berühren, sind extrem wichtige Bestandteile eurer Beziehung.
Hier ein ganz praktischer Tipp für euren Alltag: Nehmt euch bewusst Zeit für 20-Sekunden-Umarmungen. Studien zeigen, dass dabei das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet wird, das Nähe, Vertrauen und Entspannung fördert. Gerade im stressigen Alltag kann so ein kurzer Moment helfen, euch wieder als Paar zu spüren. Wichtig ist, dass ihr euch wirklich darauf einlasst – ohne Ablenkung, einfach präsent im Moment. In der Eheberatung raten wir Paaren, dabei drei positive Eigenschaften des Partners zu nennen, die man an ihm/ihr schätzt.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar schreiben