Wenn man heiratet, kommt jeder mit seinem eigenen Verständnis über Sexualität in die Ehe und man tut sich schwer, über dieses Thema zu kommunizieren. Man will ja dem anderen nicht verletzen. Die meisten finden es total schwierig, den anderen in seiner Andersartigkeit zu verstehen.

Ich kann da aus eigener Erfahrung reden. Es hat bei mir viele Jahre gedauert, bis Gott in mir ein Wunder vollbrachte und ich Sexualität plötzlich aus Gottes Sicht erkennen konnte und damit auch besser verstehen konnte, wie Männer Sexualität verstehen und warum wir Frauen da so anders ticken – ja, so anders geschaffen sind. Es brauchte ein Wunder Gottes, damit ich umdenken und in Erkenntnis wachsen konnte.

Die unterschiedlichen Bedürfnisse von Mann und Frau

Ich rede hier darüber, wie wir in unserer Ehe unser emotionales Bedürfnis nach Liebe stillen. Als Frau sehne ich mich danach, mit meinem Mann auf dem Sofa zu sitzen, wie mit einem vertrauten Freund zu reden, Gedanken auszutauschen und ihm das anzuvertrauen, was mich innerlich beschäftigt.

Der Mann dagegen ist jemand, der gerne Probleme löst und denkt, er müsse jetzt Lösungen finden für die Herausforderungen, die seine Frau angesprochen hat. Aber in Wirklichkeit will sie – wie bei einer Freundin – oft einfach Mitgefühl erleben und die Gelegenheit bekommen, das Gefühlschaos, das sich während des Tages in ihr aufgebaut hat, einmal auszusprechen. Dadurch wird es für sie schon leichter – oft einfach weil wir beim Aussprechen unserer Gefühle anfangen, uns selbst besser zu verstehen.

Für viele Frauen entsteht emotionale Nähe zuerst durch Reden, Zuhören, Verständnis und gemeinsame Zeit. Wenn sie sich gesehen, ernst genommen und emotional verbunden fühlt, öffnet sich oft auch ihr Herz für körperliche Nähe. Worte, Aufmerksamkeit und echtes Interesse berühren ihre Seele. Sie sehnt sich danach, daß ihr Mann sie nicht nur hört, sondern innerlich mit ihr mitfühlt.

Ein Mann dagegen verliert oft wenig Worte über das Erlebte und würde seine emotionalen Hochs und Tiefs eher durch Sex wieder glätten wollen. Sexualität ist für ihn Liebe; sie bringt sein Inneres wieder ins Gleichgewicht und gibt ihm diese tiefe innere Befriedigung, nach der er sich sehnt. Er fühlt sich angenommen, begehrt und geliebt, wenn er mit seiner Frau intim werden kann.

Oft verstehen wir Frauen dabei nicht, daß Sexualität für einen Mann nicht allein ein körperliches Bedürfnis ist. Für Männer ist sie eine Sprache der Liebe. Während Frauen sich oft zuerst emotional verbunden fühlen müssen, um körperliche Nähe genießen zu können, erleben Männer häufig gerade durch körperliche Nähe emotionale Verbundenheit. Das bedeutet nicht, daß einer richtig und der andere falsch ist – sondern daß Gott Mann und Frau unterschiedlich geschaffen hat.

Und genau hier beginnt in vielen Ehen das Missverständnis:
Die Frau denkt: „Warum möchte er immer Sex? Können wir nicht einfach nur reden?“
Der Mann denkt: „Warum weist sie mich zurück? Liebt sie mich nicht mehr?“

Dabei sehnen sich eigentlich beide nach derselben Sache: Liebe, Annahme und Verbundenheit. Sie drücken dieses Bedürfnis nur unterschiedlich aus. Wenn wir anfangen zu verstehen, wie der andere Liebe empfindet und wahrnimmt, kann viel Heilung in einer Ehe geschehen. Dann hören wir auf, gegeneinander zu kämpfen, und beginnen, die Andersartigkeit des anderen zu verstehen.

Als Frau denkst du jetzt vielleicht: “Okay, ich habe jetzt verstanden, daß mein Mann unsere Intimität braucht, um sein emotionales Bedürfnis nach Liebe zu befriedigen. Ich gehe aber dabei leer aus, weil mein Mann kein Interesse hat, sich mein “Gerede” anzuhören. Er ist dann mit seinen Gedanken schon bei der Arbeit und was als nächstes erledigt werden muss. Oder er ist am Nachrichten hören und ich fühle, als hätte ich keinen Zugang zu ihm. Er ist zu beschäftigt mit seinen eigenen Dingen.” Du findest vielleicht, daß es ungerecht ist, daß er auf seine Kosten kommt und Du so oft leer ausgehst. Im Bett wie auch auf der emotionalen Ebene.

Meine liebe Leserin, darf ich dich ermutigen, dieses Thema einmal mit deinem Mann anzusprechen? Was kannst DU tun, damit sich an der Situation etwas ändert?

Hier ein paar Vorschläge:

-1. Kommunikation

Kommunikation ist eines der wichtigsten Elemente in einer Ehe, und oft ein Schwachpunkt des Mannes. Es kann sein, daß sich dein Mann nicht bewußt ist, daß dein Verlangen danach, Dinge auszusprechen, die dich bewegen, “typisch Frau” ist und ganz normal. Damit wird für die Frau ein emotionales Bedürfnis nach Liebe gestillt.

Versuche es deinen Mann zu erklären, ohne einen Vorwurf daraus zu machen. Erkläre es ihm in einem Moment, wo ihr alleine seid und er sich auf dich fokussiert. Viele Männer können nach Arbeit, Stress oder Erschöpfung schlecht umschalten. Dann kommt das Gespräch nicht an, obwohl das Bedürfnis legitim ist. Oft ist ein bewusster Moment besser, zum Beispiel nach dem Essen oder am Wochenende, wenn keine Ablenkung da ist. Erkläre Deinem Mann, dass für dich als Frau das Gespräch so wichtig ist wie für ihn als Mann der Sex.

-2. Was kannst DU tun?

Bete darum, daß Gott dir offenbart, wie Gott sich Sexualität, bzw. die Intimität in der Ehe gedacht hat. Und informiere dich selbst mehr darüber, wie Männer “ticken”, damit du deinen Mann besser verstehen kannst. Jetzt wo du weißt, daß es nicht nur dein Mann ist, der scheinbar nur Sex will, sondern daß es ein Liebesbedürfnis eines jeden Mannes ist, kannst du vielleicht besser damit umgehen.

Gott hat Mann und Frau einfach so total verschieden geschaffen. Manchmal denke ich, daß ER uns als Menschen doch ganz schön viel zutraut. Die Frau soll den Mann in seiner ganz anderen Art zu denken und zu fühlen respektieren und ihn versuchen zu lieben, obwohl sie Liebe eher ganz anders empfängt.

Der Mann dagegen soll sein Leben für sie hingeben, sie lieben, wie Christus die Gemeinde geliebt hat. (Epheser 5, 25-26). Huch, das kostet auch ein starkes Opfer. Auch er muss lernen, sie zu verstehen mit ihren Bedürnissen, gehört und verstanden zu werden.

Wow, da haben wir beide noch einiges an unserem Teil zu tun!!!

-3. Du darfst die Initiative ergreifen

Das hört sich vielleicht krass an, daß du in eurer Intimität die Initiative ergreifen sollst, obwohl du dir gerade so wünscht, daß dein Partner Zeit hat für dich. Daß er dich sieht und dir zuhört.

Aber wenn du den Anfang nicht machst und du wartest, bis er endlich auf dich eingeht, wird dann irgendetwas besser? Und ich erzähle dir ein Geheimnis: wenn du die Initiative ergreifst, dann entscheidest du zu lieben und oft ist die Intimität auf diese Weise noch viel schöner. Du kannst ihm ja auch sagen, was du gerne magst. Ein Mann möchte begehrt werden von seiner Frau. Und wer weiß, vielleicht bleibt danach auch noch Zeit zum Reden.

-4. Wie schaffe ich es, meinen Mann zu lieben, wie er geliebt sein will?

So wie der Mann seine Frau lieben soll, so soll auch ich meinen Teil tun, damit es in der Ehe klappt. Aber wie es im Englisch so schön heißt: “First things first.” Das bedeutet: Das Wichtigste zuerst: Ich will dich ermutigen: Fang bei deiner Beziehung zu Gott an. Nur wenn ich in meiner Beziehung zu Jesus wachse, kann ich lernen, meinen Mann so zu lieben, wie Gott sich das gedacht hat. Alleine schaffe ich das nicht. Es braucht eine persönliche Beziehung zu Gott, damit ich lerne, meinen Gegenüber zu verstehen. Nur Gott kann die Erkenntnisse und die Liebe geben, die ich mir wünsche. Und wenn ich bei mir anfange, dann wird Gott den Rest machen.

In Sprüche 2,6 heißt es dazu:

Denn der HERR gibt Weisheit. Aus seinem Mund kommen Erkenntnis und Verständnis.

Und der Heilige Geist ist unser Helfer.

Johannes 14,26

“Der Helfer, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, wird euch alles ´Weitere` lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe."

Und bete für deinen Mann. Segne ihn. Danke Gott für deinen Partner. Du wirst sehen, wie Dinge sich verändern werden.

Schreib mir gerne, was du in dieser Hinsicht schon erlebt hast. Ich freue mich, wenn ich Feedback bekomme.