Kennst du das Gefühl, wenn ein Arbeitskollege dich länger in die Augen schaut als notwendig und wenn es immer wieder passiert, fängt sich in deinem Innersten etwas zu regen? Man fängt an, diese Blicke zu erwidern und man fühlt sich gesehen. Jemand findet dich attraktiv.

Oder da ist dieser Freund, mit dem man über alles reden kann. Ihr schreibt euch gegenseitig Nachrichten und du fühlst, du hast endlich jemanden gefunden, der dir zuhört. Der eigene Mann ist nicht so gesprächig und weiß mit deinen Problemen nicht so recht was anzufangen. Aber dieser Freund, der versteht dich. Aus den Nachrichten wird bald mehr. Es gibt ein erstes Treffen. Ihr seid nur Freunde. Doch ihr beide spürt, dass mehr daraus werden wird, wenn ihr die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lasst.

Aus eigener Erfahrung

Als ich mich das erste Mal in einen anderen Mann “verliebte”, konnte ich es fast nicht glauben, daß mir sowas passieren würde. Ich war diejenige, die nie ein Verlangen nach Sex hatte. Und doch wurde ich von einem anderen Mann angezogen, der in der Nachbarschaft wohnte und jeden Morgen, während ich in der Küche arbeitete, sah ich ihn da in seiner Wohnung gegenüber aus dem Fenster schauen. Er sah gut aus. Er wohnte im Hochhaus genau gegenüber von uns und konnte direkt in unsere Küche schauen. Unsere Blicke trafen sich. Wir fingen an, uns zuzulächeln. Und so begann das Spiel. Erst als er irgendwann zu mir rüberkam und mich direkt ansprach und mich kennenlernen wollte, da kam in mir die Panik hoch. Oh nein, was hatte ich bloß gemacht?! Ich hatte mit diesen Mann aus der Entfernung geflirtet. Ich hatte da nur noch nicht über die Folgen nachgedacht. Eigentlich wollte ich ja nur harmlos mit ihm flirten, mehr nichts. Als er dann mich so mit fleischlicher Lust in den Augen anschaute, da bekam ich es mit der Angst zu tun. Ich erklärte ihm da sofort, daß ich kein Interesse hatte an eine nähere Bekanntschaft.

Nach diesem Erlebnis versuchte ich meine Küche möglichst zu meiden, so oft ich sah, daß dieser Mann an seinem Fenster stand. Und ich erzählte meinem Mann von meinen Gefühlen und bat ihm, mir zu vergeben. Damit kam Licht in diese Sache und die Gefühle für den anderen Mann verschwanden sofort, nachdem er mich angesprochen hatte. Der Gedanke, mit ihm intim zu werden, holte mich wieder zurück in die Realität und das wollte ich auf keinen Fall.

Wie emotionale Untreue entsteht – und wie du sie verhindern kannst

In dem Buch Intimate Issues schreiben Linda Dillow und Lorraine Pintus sehr offen über dieses Thema, das viele Frauen betrifft, aber über das kaum jemand spricht. Sie sagen: Anziehung an sich ist keine Sünde – aber sie wird zu einer, wenn wir beginnen, sie zu nähren. Wenn wir uns erlauben, in Gedanken bei dieser anderen Person zu bleiben oder wenn wir ihn mit unserem Ehemann vergleichen oder wenn wir bewusst Begegnungen herbeiführen, um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Damit beginnen wir, unser Herz in die falsche Richtung zu lenken.

Oft beginnt alles ganz unschuldig. Ein gemeinsames Lachen. Ein Gespräch, das tiefer geht. Und ehe man es merkt, ist eine emotionale Nähe da, die du so eher mit deinem Mann gehabt hättest, aber irgendwie ist es mit den Jahren verloren gegangen. Vielleicht seid ihr beide zu beschäftigt, die Kinder hängen ständig an deinem Rockzipfel und wenn ihr beide mal Zeit habt zum Reden oder um miteinander zärtlich zu sein, dann seid ihr schon zu müde. Und dann scheint diese Beachtung, die wir ausserhalb der Ehe angeboten bekommen, reizend.

Sowas nennt man „emotionale Untreue“ – und sie kann genauso zerstörerisch sein wie körperliche Untreue.

Die Bibel ruft uns auf:

„Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“ (Sprüche 4,23)

Wie kann ich mein Herz behüten? Dazu hier ein paar praktische Tipps:

  • private Nachrichten mit Männern so weit wie es geht vermeiden,
  • wenn du jemanden zum reden brauchst, gibt es da vielleicht eine Freundin, mit der du über alles reden kannst?
  • Fantasien über “was wäre, wenn…” gar nicht erst Raum geben in deinen Gedanken.
    Kennst Du die deutsche Redewendung: “Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogel über deinen Kopf fliegt – aber du kannst verhindern, dass er dort ein Nest baut.“

Es bedeutet, Gott ganz bewusst zu bitten, deine Gedanken zu reinigen und bewußt Abstand von Situationen nehmen, bei denen du weisst, dass sie dich in Versuchung bringen. Denn oft steckt hinter dieser Versuchung etwas Tieferes: eine unerfüllte Sehnsucht. Wir wünschen uns Nähe, Verständnis, Bestätigung. Doch kein Mensch kann diese Leere wirklich füllen. Auch diese neu entfachte “Liebe” würde erkalten, wenn sie nicht gepflegt wird. Wäre es da nicht besser zu schauen, wie man die Liebe zum eigenen Ehemann wieder entfachen kann?

Wenn du merkst, dass du gerade in so einer Situation hineingeraten bist, dann schäme dich nicht. Gott verurteilt dich nicht, Er ruft dich liebevoll zurück. Sprich ehrlich mit Ihm über das, was in deinem Herzen los ist. Bitte Ihn um Kraft, dich zu lösen von dem, was dich gefangen hält. Und richte deinen Blick wieder auf deine Ehe.
Bete für deinen Mann. Nimm du die Initiative, um wieder Nähe und Zeiten des Gesprächs in deine Ehe zu bringen. Kämpfe für deine Ehe. Laufe genau in die entgegengesetzte Richtung, anstatt der Versuchung weiter nachzugeben. So wie Josef es tat, als er immer wieder von der Frau des Potifar geschmeichelt wurde. Er jedoch war sich bewusst, dass er klar gegen Gott sündigen würde, wenn er mit ihr schlafen würde. Sie hatte bereits alles eingefädelt, um mit Josef allein im Haus zu sein, sodass sie miteinander hätten schlafen können, ohne dass es jemand bemerkt hätte. Doch Josef war nicht besorgt darüber, ob andere es erfahren würden oder nicht. Ihm war bewusst, dass Gott alles sieht und dass ein Fehltritt nur noch Lügen und weitere Untreue nach sich ziehen würde.

Daher will ich dich ermutigen mit diesem letzten Abschnitt:

Nicht die Versuchung definiert dich – sondern die Entscheidung, die du jetzt triffst. Gott ist nur ein Gebet von dir entfernt. Er kann dir die Gefühle für einen anderen Mann anulieren, wenn du heute zu ihm sagst, dass du seine Hilfe brauchst. Gott ist treu. Und diese “Schwäche” jemanden zu bekennen, bringt Licht in die dunklen Geheimnisse. In der Bibel in Jakobus 5,16 sagt es:

“Darum bekennt einander eure Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet. Das Gebet eines Menschen, der sich nach Gottes Willen richtet, ist wirkungsvoll und bringt viel zustande.”

Und was dich wieder auf den Boden der Realität bringen kann, ist, dir bewusst zu machen, welche Konsequenzen dein Handeln haben könnte.
Hast du dir das schon einmal ehrlich überlegt?
Ist es dir das wirklich wert, all das aufs Spiel zu setzen, was du gemeinsam mit deinem Partner aufgebaut hast?
Und die Schmerzen, die du mit dieser Entscheidung anderen zufügen würdest – hast du auch daran gedacht?

Ich wünsche mir, dass dich dieser Artikel dazu ermutigt, innezuhalten, deinen Fehltritt ehrlich anzuschauen und dich neu auf einen Weg auszurichten, der Leben bringt.