Heute möchte ich ein ganz anderes Thema ansprechen, das stark dazu beitragen kann, daß wir in unserer Intimität eine bessere Beziehung entwickeln können. Nämlich unsere Zweisamkeit in Beziehung mit Gott.
Als wir geheiratet haben, hatte ich zwei Jahre Bibelschule hinter mir und mein Mann war noch mitten drin. Jeder von uns hatte hohe Erwartungen, wie der andere uns helfen würde, endlich regelmäßig die „Stille Zeit“ – also Zeit mit der Bibel und Gebet – einzuhalten.
Ich erinnere mich noch, wie “Hubby” eines Morgens seine Gitarre rausholte und mit mir zusammen singen wollte. Ich dagegen war noch halb im Schlaf und konnte mich überhaupt nicht mit dem Gedanken anfreunden, so früh schon zu singen!
Auch beim Beten hatte jeder von uns seine eigene Art, mit Gott zu reden. M. hatte in der Bibelschule neue Gebetsformen kennengelernt und wollte diese nun gemeinsam mit mir praktizieren. Ich dagegen wollte lieber so beten, wie ich es aus meiner Tradition kannte – und dachte gleichzeitig, dass ihm meine Art sicher nicht gefiel.
Wenn Erwartungen zu Unsicherheit führen
Es kann ein sehr sensitives Thema in der Ehe sein, wenn man im geistlichen Bereich Erwartungen an den Partner hat, die der andere nicht erfüllen kann. Bei uns war mein Mann eher der Offenere, der gerne Neues ausprobierte. Ich dagegen brauchte immer etwas Zeit, um mich mit neuen Ideen anzufreunden.
Leider war ich durch diese ersten Erfahrungen so verunsichert, dass ich irgendwann gar nicht mehr in seiner Gegenwart beten wollte. Und so kam es, dass wir viele Jahre nicht gemeinsam beteten, weil ich immer dachte: Ich bete sowieso nicht richtig.
Wir hielten dann jeder für sich unsere „Stille Zeit“. Und versteh mich nicht falsch – jeder von uns suchte Gott. Wir hatten beide ein Verlangen, geistlich zu wachsen und Gott näher kennenzulernen. Ich bin bis heute dankbar, dass ich einen Mann habe, der mir durch seine lebendige Beziehung zu Gott ein großes Vorbild war und ist. Oft halfen mir seine Erkenntnisse aus dem Wort Gottes, mich mit denselben Themen zu beschäftigen. Wir haben wunderbare Erfahrungen mit Gott gemacht – aber uns war nicht bewusst, welche Kraft im gemeinsamen Gebet liegt.
Wenn Ehepartner gemeinsam beten
Wenn Mann und Frau in Einheit beten, passiert etwas in der geistlichen Welt. Und genau deshalb versucht der Feind, gerade hier Zerstörung und Unsicherheit zu schaffen.
Ich dachte lange, ich müsste M. gefallen mit meinen Gebeten. Dabei geht es doch gar nicht darum, wie wir beten, sondern mit wem wir reden – mit Gott selbst. Jeder darf mit Ihm so reden, wie er/sie sich gut dabei fühlt.
Wir dürfen mit Gott reden wie mit unserem himmlischen Vater, mit Jesus wie mit einem Freund. Und der Heilige Geist hilft uns, wenn uns die Worte fehlen:
„Der Geist Gottes tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein … denn der Geist tritt für die ein, die zu Gott gehören, so wie es vor Gott richtig ist.“
(Römer 8,26–27 nach der Neuen Genfer Übersetzung)
Was verändert sich durch das gemeinsame Gebet?
- Gemeinsam vor Gott kommen bringt Frieden.
Es wird schwierig sein, gemeinsam zu beten, wenn da Uneinigkeit herrscht in der Ehe. Wir müssen uns verletztlich machen, wenn wir vor unserem Ehepartner offen mit Gott reden wollen wie wir es bis dahin vielleicht nur alleine gemacht haben. - Gemeinsames Gebet schafft geistliche Einheit.
So wie körperliche Intimität Einheit schafft, tut das auch das Gebet. Wenn der eine zu Gott spricht, hört der andere mit – und man lernt viel über die Beziehung des Partners zu Gott. - Gemeinsames Gebet kann eine Ehe retten.
Wenn wir Gott in unsere Zweisamkeit einladen, dann passiert in der geistlichen Welt etwas. In Prediger 4,12 steht:
„Und wenn man den einen angreift, so können die beiden Widerstand leisten; und eine dreifache Schnur wird nicht so bald zerrissen.“
Die dreifache Schnur ist Eure Ehe, verbunden mit einer zusätzlichen Schnur. Diese Schnur ist Gott, der Euch hilft, Euer Ehe-Schiff in die richtige Richtung zu lenken.
4. Gemeinsames Gebet verändert uns.
Das gemeinsame Gebet verändert uns. Du kannst deinen Mann nicht verändern und er kann dich nicht verändern. Dazu brauchst du Erkenntnisse, die Gott dir geben kann. Wenn wir zusammen dafür beten, daß Gott unsere Ehe besser macht und uns hilft, zu erkennen, woran es liegt, daß es hier und dort immer wieder zu Konflikten in der Ehe kommt, dann werdet Ihr früher oder später sehen, wie Gott Lösungen schenkt.
Wenn es (noch) nicht klappt …
Vielleicht fühlst du dich unwohl, in der Gegenwart deines Partners zu beten – oder umgekehrt. Lass dich davon nicht entmutigen. Am Anfang fühlt es sich vielleicht ungewohnt an, aber mit der Zeit wird es natürlicher. Jeder von uns ist individuell geschaffen, und genauso individuell ist unsere Beziehung zu Gott.
Du darfst natürlich auch weiterhin deine persönliche Zeit mit Gott pflegen. Es geht nicht darum, eines gegen das andere auszutauschen.
Und zum Schluß: wie sieht das heute bei uns aus?
Unser Tag beginnt recht früh, damit wir noch mindestens 1 Stunde Zeit miteinander haben, bevor jeder sich seiner Arbeit zuwendet. Wir beginnen unseren Morgen mit Mate Tee und gemeinsamer Bibellese. Wir beten für unsere Kinder, unsere Aufgaben und für andere Menschen. Wir danken Gott auch bewusst für das Gute, das wir empfangen haben. Da gibt es immer viel, wofür wir Ihm dankbar sein können. Diese Stunde ist meistens viel zu schnell zu Ende. Heute frag ich mich, warum wir so viele Jahre gebraucht haben, um zu dieser geistliches Einigkeit zu kommen!
Und wenn der Tag mal anders beginnt und wir morgens nicht dazu kommen, diese gemeinsame Zeit zu genießen, fühlt sich trotzdem keiner schuldig. Denn Gott möchte nicht, dass daraus ein kaltes Ritual wird. Es geht um Beziehung – mit Ihm, miteinander und um das Wachsen in der Wahrheit.
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