Immer wieder erzählen mir Frauen, dass sie Schwierigkeiten haben, beim Geschlechtsverkehr einen Orgasmus zu erleben. Manche sind seit vielen Jahren verheiratet und gestehen mir, dass sie noch nie den „Höhepunkt“ hatten.

Vielleicht erkennst du dich in solchen Aussagen wieder. Vielleicht fragst du dich, ob mit dir etwas „nicht stimmt“. Oder du bist neugierig, was du tun kannst, um Sexualität tiefer und erfüllender zu erleben. In diesem Beitrag möchte ich dir Ratschläge weitergeben, die mir selbst geholfen haben auf meiner Reise zur Heilung in der Sexualität.

1. Erlaube dir, eine Frau mit sexuellen Empfindungen zu sein

Viele Frauen tragen unbewusste Prägungen in sich. Sie haben gelernt: „Sex ist etwas Schmutziges“ oder „eine anständige Frau empfindet keine Lust“. Diese Vorstellungen stammen aus Kultur, Familie oder manchmal sogar aus verdrehten religiösen Überzeugungen.

Doch die Bibel sagt etwas anderes. Im 1. Mosebuch lesen wir, dass Gott den Menschen als Mann und Frau schuf – und dass er alles, was er gemacht hatte, als „sehr gut“ bezeichnete. Dazu gehört auch unsere Sexualität.

Das bedeutet: Lust ist nichts Beschämendes. Sie ist Teil von Gottes Schöpfung. Wer das versteht, kann einen völlig neuen Zugang zum eigenen Körper finden.

Ein gutes Buch, das ich dazu empfehle, ist Mit Freuden Frau sein von Ingrid Trobisch. Sie schreibt liebevoll über Freude an der Sexualität und über den wichtigen Schritt der Selbstannahme.

2. Lerne deinen Körper kennen

Ein Orgasmus ist nicht nur einfach eine Frage von Willenskraft oder Anstrengung.

Der Orgasmus ist eine Reflexreaktion – er geschieht, wenn bestimmte Nerven stimuliert werden und sich Spannung entlädt.

Darum ist es wichtig, den eigenen Körper zu erkunden. Viele Frauen haben jedoch Hemmungen, sich selbst zu berühren. Vielleicht geht es dir ähnlich. Doch gerade durch achtsame Selbstberührung lernst du, welche Berührungen angenehm sind. Diese Übung gemeinsam mit deinem Mann zu machen ist natürlich auch schön.

Praktische Tipps:

  • Ertaste deine Klitoris.
  • Achte darauf, was dir wirklich Freude macht.
  • Beziehe auch deine Brüste und Brustwarzen mit ein.
  • Erlaube dir, dich ganz auf deine Empfindungen zu konzentrieren.

Denk daran: Das ist nichts Sündiges. Gott hat dich mit deinem Körper und seiner Empfindsamkeit geschaffen. Du darfst ihn wertschätzen.

Und wenn du dieses Erkunden mit deinem Mann teilst, wird es eure Beziehung sogar bereichern. Männer finden es spannend zu sehen, wie ihre Frau ihren Körper entdeckt.

3. Revidiere deine Vorstellung von „gutem Sex“

Hollywood-Filme und Liebesromane vermitteln oft ein falsches Bild: zwei Menschen fallen übereinander her, alles funktioniert sofort, beide kommen gleichzeitig zum Höhepunkt.

Die Realität sieht meist anders aus – und das ist völlig normal. Wenn du noch nie einen Orgasmus hattest, dann sollte dein erstes Ziel sein, überhaupt dorthin zu gelangen. Das kann allein passieren oder indem dein Mann dich zuerst zum Höhepunkt bringt.

Wichtige Gedanken dazu:

  • Es ist kein „Fehlschlag“, wenn ihr nicht gleichzeitig kommt.
  • Die Frau sollte bevorzugt zuerst zum Orgasmus gelangen, weil Männer danach oft weniger ausdauernd sind.
  • Qualität bemisst sich nicht daran, ob jetzt beide gleichzeitig ihren Höhepunkt hatten, sondern daran, ob beide Freude haben.

Ein Orgasmus passiert, wenn du loslässt, dich hingibst und vertraust. Kontrolle und Leistungsdruck blockieren ihn eher.

4. Kläre deine Vergangenheit mit Gott

Viele Frauen (wie auch Männer) tragen Ballast aus der Vergangenheit mit sich: frühere sexuelle Beziehungen, Schuldgefühle oder Erfahrungen, die schwer auf ihnen liegen. All das kann die Hingabe in der Ehe blockieren.

Wenn dich das betrifft, dann nimm dir Zeit, vor Gott deine Vergangenheit zu bereinigen. Brich alte Bindungen zu früheren Partnern im Namen Jesu. Jesus vergibt dir gerne und du brauchst dich nicht weiter mit dieser Schuld herumschleppen.

Auch Schuldgefühle wegen Masturbation oder sexueller Fantasien können eine Last sein. Ob Masturbation an sich sündig ist, wird unterschiedlich bewertet. Wichtig ist: Wenn dich dein Gewissen belastet, dann kannst du damit zu Jesus gehen. Er vergibt und macht frei.

5. Glaube an die Liebe deines Mannes

Ein erfülltes Sexualleben basiert auf Vertrauen. Du musst tief in deinem Herzen wissen: Mein Mann liebt mich. Er findet mich schön. Er möchte mich sexuell glücklich machen.

Viele Frauen sorgen sich: „Ich brauche zu lange“ oder „Ihm ist sicher langweilig“. Doch das Gegenteil ist der Fall! Männer genießen es am meisten, wenn ihre Frau Lust empfindet und sich hingibt.

Darum: Nimm seine Liebe an. Vertraue darauf, dass er dich wirklich begehrt. Und lerne, dich selbst mit seinen Augen zu sehen: als attraktive, faszinierende Frau. Deswegen hat er sich ja mal für dich entschieden, oder?

6. Mentales Vorspiel

Körperliche Stimulation allein reicht oft nicht. Bei Frauen beginnt Lust im Kopf. Worte, Blicke und Zärtlichkeiten sind entscheidend. Und eine bewußte Entscheidung, andere Gedanken jetzt auszugrenzen.

Ein Tipp an die Männer: Sagt eurer Frau, dass ihr sie schön findet. Sagt, dass ihr Körper euch erregt. Solche Worte wirken Wunder. Sie helfen ihr, sich selbst als begehrenswert zu sehen – und genau das öffnet die Tür zum Orgasmus.

7. Entspannung als Schlüssel

Stress tötet Lust und ein Verlangen nach Intimität. Ein voller Kopf, Sorgen oder Anspannung machen es schwer, loszulassen.

Darum: Sorge für Entspannung. Ein heißes Bad, eine Dusche, eine sanfte Rückenmassage – all das kann Wunder wirken. Oft ist es gerade dieses Loslassen, das den Unterschied macht.

8. Lass dich auf das Geschehen ein

Ein Orgasmus geht mit körperlichen Reaktionen einher: schnelleres Atmen, Stöhnen, Bewegungen des Beckens. Halte das nicht zurück! Dein Körper darf reagieren. Lass die Gefühle zu.

Je mehr du dich zurückhältst, desto schwerer wird es. Je mehr du dich hingibst, desto leichter kann der Höhepunkt kommen.

9. Kommuniziere mit deinem Mann

Dein Mann kann nicht erraten, was dir gefällt. Er braucht deine Rückmeldung. Und das ist nichts Peinliches – im Gegenteil: Für ihn ist es eine Hilfe, wenn du sagst: „Ein bisschen langsamer.“ „Mehr Druck” oder „Etwas höher.“

Sag ihm, was dir guttut. Dein Empfinden ändert sich während des Vorspiels. Deshalb bleib im Gespräch – mit Worten oder auch mit deinem Körper.

10. Wenn es trotzdem nicht klappt

Manchmal gibt es tiefere Ursachen: Schuld, Angst, Stress, Missbrauchserfahrungen, ein schlechtes Selbstbild oder Konflikte in der Ehe. Solche Dinge müssen angesprochen und bearbeitet werden.

Scheue dich nicht, dir Hilfe zu holen – bei einer vertrauten Person, einer Seelsorgerin oder einem Therapeuten. Du bist nicht allein mit deinen Schwierigkeiten. Aber du bist mutig, wenn du dich deinen Ängsten stellst und sie aus dem Weg räumst.

Sexualität ist ein wesentlicher Bestandteil der Ehe. Es lohnt sich, hier zu investieren, alte Wunden zu heilen und neue Wege zu gehen. Und Gott geht mit dir.

Nur Mut, du darfst sogar mit Gott über dein Sexualleben reden. Er hat dich geschaffen. Er kennt schon die Lösung und ER will dir helfen.